Bestechung, Nachwuchs und Arbeitsalltag - Medienbildung der StN
Wie neutral sind Journalisten? Wie schreibt man selbst eine Meldung? Antworten auf diese und viele weitere Fragen liefert das Projekt „Nachrichten in der Schule“.
Eine Frage fehlt auf den kunterbunten Papierstreifen. Die hat die Lehrerin der Klasse 9b des Waiblinger Saliergymnasiums freundlicherweise vor dem Schulbesuch in die Redaktion geschickt. Aber genau mit dieser Frage beginnen intensive anderthalb Stunden an jenem Vormittag im Februar dieses Jahres: „Wann sind Sie zuletzt bestochen worden?“ Das ist frech. Aber gut.
So kann man jugendlich-ungeniert auch nach der Unabhängigkeit von Redakteurinnen und Redakteuren fragen. Und wer es ernst damit meint, der zahlt seinen Kaffee selbst, erst recht ein Abendessen und lässt kleine Aufmerksamkeiten bei Pressekonferenzen liegen. In dem Punkt haben es Lokaljournalistinnen und -journalisten einfacher als ihre Kollegen beispielsweise im Auto- und Reiseressort, die öfter zu Touren eingeladen werden. Aber auch dafür gibt es Regeln. Deshalb findet sich im Impressum vom Wochenend-Magazin unserer Zeitung ein entsprechender Hinweis: „Einige unserer Reiseberichte sind mit Unterstützung von Reiseveranstaltern und Tourismusorganisationen entstanden. Dies hat keinen Einfluss auf die Inhalte unserer Berichterstattung.“
Wenn man schon bei der Frage nach der Unabhängigkeit von Journalisten ist, ist die nach der Neutralität nicht weit. Zum guten Handwerkszeug einer jeden Kollegin und eines jeden Kollegen gehört es, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt hin abzuklopfen, sich diese von mindestens zwei unabhängigen Quellen bestätigen zu lassen. In Zeiten von bewusst verbreiteten Falschnachrichten ist das wichtiger denn je. Zu guter journalistischer Praxis zählt auch, immer die Gegenseite zu hören, vor (Ober-)Bürgermeisterwahlen allen Kandidaten gleich viel Raum in der Zeitung zu geben, sauber zwischen Nachrichten und Meinungen zu trennen, um ein paar weitere Beispiele für Merkmale von seriösem Journalismus zu nennen.
Tausende Schüler erreicht
Redakteursbesuche an Schulen sind fester Bestandteil des Projekts „Nachrichten in der Schule“, das die Stuttgarter Nachrichten seit 1985 anbieten. Die Stuttgarter Zeitung beteiligt sich noch länger an dem vom Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und dem Aachener Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP) im Schuljahr 1979/1980 initiierten Konzept. Die StN erreichte mit Nisch im zurückliegenden Schuljahr 1600 Kinder und Jugendliche – das sind etwas weniger als in den beiden Schuljahren davor.
Nicht mitgezählt sind die Schulbesuche von (Chef-)Redakteuren im Rahmen der Schülermedientage, für die die beiden Stuttgarter Tageszeitungen mit der Landeszentrale für politische Bildung rund um den Tag der Pressefreiheit am 3. Mai kooperieren. Zwar hatten die Projektmacher zunächst nur Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen im Visier. Inzwischen sind aber längst Jüngere in ihr Blickfeld geraten. Regelmäßig stehen auch Redakteursbesuche in Grundschulen an, wie etwa der in der Ameisenbergschule in Stuttgart. Natürlich wollen die Viertklässler erst einmal wissen, wie denn ein Arbeitstag in einer Redaktion aussieht, wie lange man arbeiten muss, was man verdient, welche Berühmtheiten man bereits interviewt hat und und und.
Erste journalistische Versuche
Als all das geklärt ist, gibt es Kostproben erster journalistischer Versuche. Das muss sein. Zwei Mädchen und ein Junge lesen fiktive Meldungen vor, die sie geschrieben haben. Um es gleich zu sagen: An ihnen ist so gut wie nichts auszusetzen – weder an der über den Diebstahl der Mona Lisa aus dem Louvre, noch an der Meldung über den Fahrradunfall einer Schülerin oder der über ein ausgebüxtes Schwein, das sich in die Stuttgarter Staatsgalerie verirrt und über ein Kunstwerk aus Naturalien hermacht. Der Schaden ist mit 50 000 Euro happig. Und da den Viertklässlern eine Redakteurin Rede und Antwort steht, wollen sie ganz genau wissen, wie man eine knackige Überschrift formuliert. Um Nachwuchs also müssen wir uns nicht sorgen.
Ach ja, die Eingangsfrage nach dem Bestechungsversuch ist noch nicht geklärt. Sie ist schnell beantwortet: noch nie.





